Unzählbar wenige (SZ, Titelseite)
Juli 28th, 2010Die Überschrift der Titel-Meldung
Ordner kann man, anders als Butter oder Milch, zählen - eher: zu wenige Ordner am Tunnel.
Die Überschrift der Titel-Meldung
Ordner kann man, anders als Butter oder Milch, zählen - eher: zu wenige Ordner am Tunnel.
Die ersten Sätze in der Leitglosse “Banken im Test“:
“Banken sind eine ganz besondere Branche. Wer dies noch nicht wusste, hat es in der Finanzkrise lernen dürfen. Denn das Bankgewerbe kennt das sogenannte Systemrisiko: Der Untergang einer bedeutenden Bank kann das Vertrauen in das gesamte Geldgewerbe nach sich ziehen.”
Die Folge einer Bankpleite ist weniger ein Vertrauen in die Geldbranche als vielmehr ein Vertrauensverlust.
Der erste Satz im Aufmacher “Washington erlässt neues Verbot für Ölbohrungen vor der Küste“:
“Während der britische Ölkonzern BP mit der Abdichtung der lecken Quelle im Golf von Mexiko voranzukommen scheint, hat die amerikanische Regierung abermals ein Verbot für Ölbohrungen vor der Küste erlassen.”
Aus einer Quelle tritt Flüssigkeit per Definition aus - nur ein Behältnis kann leck sein. Eher: das offene Bohrloch.
Im Leitartikel “Ein wichtiger Schritt voran“:
“Die Wirtschaftskrise ist an dem Land ohne schwere Erschütterungen vorübergegangen.”
Da nicht die Krise erschüttert wurde, eher: Das Land ist ohne schwere Erschütterungen durch die Wirtschaftskrise gekommen.
Der erste Absatz im Leitartikel “Das spanische Semester“:
“Das spanische Halbjahr an der Spitze der Europäischen Union, das an diesem Mittwoch endet, war Versuch und Wechselbad zugleich. Zum ersten Mal seit dem Inkrafttreten des Lissabonner Vertrags gab es zwei EU-Ratspräsidenten. Der zeitweilige, Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, versuchte klugerweise, dem neuen ständigen, Herman Van Rompuy, das Leben nicht unnötig schwer zu machen.”
Es gibt auch nach Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags nur einen EU-Ratspräsidenten, und das ist nun der ständige Ratspräsident. Der Staatschef des Landes, das die Ratspräsidentschaft hält, ist seitdem nicht mehr Ratspräsident - auch Ministerpräsident Zapatero war es also nicht. Der Vorsitzende des Ministerrats stammt dagegen weiterhin aus dem Land der Ratspräsidentschaft.
Die Überschrift zum Aufmacher Wirtschaft
“Für Spanien wird es heute Ernst“.
Da nicht das Nomen “der Ernst” gemeint ist, sondern das Adjektiv, müsste das Wort kleingeschrieben werden: Für Spanien wird es heute ernst.
Der erste Satz im Titel-Kommentar “Schaut auf Südafrika“:
“Wenn im vergangenen und in diesem Jahr Deutschland und Europa den 20. Jahrestag der friedlichen Revolutionen feiern, hat das etwas durchaus Egozentrisches.”
Zum einen ist Deutschland weiterhin ein Teil Europas, zum anderen feierte man im vergangenen Jahr, im Präteritum. Straffer und logischer: Wenn Europa jetzt seine friedlichen Revolutionen vor 20 Jahren feiert, hat das etwas durchaus Egozentrisches.
Im Titel-Kommentar “Zu Hause bei Merkel”:
“Merkel verwechselt die Gruppendynamik innerhalb der CDU mit dem Land.”
Eine Dynamik kann kaum mit einem Land verwechselt werden. Wohl gemeint: Merkel verwechselt die Gruppendynamik innerhalb der CDU mit der im Land.
Der zweite Satz im Leitartikel “Das Öl und der Tod“:
“Seit einer Woche hat der Ölschlamm die Küste erreicht.”
Nicht seit - vor einer Woche hat der Ölschlamm die Küste erreicht. “Seit” bezeichnet eine Dauer, nicht einen Zeitpunkt.
Der vierte Satz im Aufmacher “US-Regierung droht BP”:
“Innenminister Ken Salazar warnte, er sei ‘wütend und frustriert’ über die immer wieder gescheiterte Versuche von BP, das Bohrloch im Golf von Mexiko zu schließen.”
Entweder bestimmt: über die immer wieder gescheiterten Versuche, oder unbestimmt: über immer wieder gescheiterte Versuche.